10. März 2026
«Leistungssport und Mamasein ist vereinbar»
Sie ist zweifache Turniersiegerin in Basel und seit letztem März Mutter eines Sohnes: Isabel Lohau. Die Deutsche möchte auch anderen jungen Frauen Mut machen.
Vor zwölf Monaten war Badminton bei Isabel Lohau in der Prioritätenliste temporär weit gesunken. Aus dem schönstmöglichen Grund: Die Deutsche wurde Mitte März erstmals Mutter eines Sohnes. Und war dementsprechend mit anderen Dingen beschäftigt als mit der 35. Austragung des Traditionsturniers am Rheinknie. «Ich habe das Turnier gar nicht verfolgt», sagt sie in der St. Jakobshalle kurz vor Turnierbeginn.»
Nun ist sie wieder da, und bestreitet ihr erstes World-Tour-Turnier seit der Schwangerschaft. In einer Halle, an die sie beste Erinnerungen hat: «Zwei Turniersiege, dazu ein Final und eine WM. Ich habe hier immer gerne und gut gespielt und freue mich, dass ich nun hier mein erstes grosses Turnier nach der Pause bestreiten kann.»
Die Prioritäten drehen sich nun natürlich weniger um Racket und Shuttle als vorher, der Sohnemann diktiert den Tagesablauf. Nicht alles, was sich geändert hat, habe sie vorher antizipieren können, erklärt sie und lacht: «Es ist eher ein Learning by Doing. Logistisch und finanziell gibt es spannende Herausforderungen, aber ich habe den vollen Support meiner Familie und wir haben uns mittlerweile eingegroovt.»
Das Zeitmanagement ist natürlich noch wichtiger geworden und auch der Improvisationsbedarf ist grösser. Grundsätzlich kommt die 33-Jährige aber zu folgender Schlussfolgerung: «Leistungssport und Mamasein ist kombinierbar und das möchte ich auch aufzeigen.».
Im internationalen Badminton gibt es noch weniger Mütter, die in die Szene zurückkommen, als beispielsweise im Tennis. Auch wenn dies natürlich nicht ihr Hauptfokus ist, so hofft Isabel Lohau doch auch, die eine oder andere Frau zu inspirieren: «Es wäre schön, wenn sich junge Mädchen zumindest überlegen, diesen Weg zu gehen und es nicht von vornherein ausschliessen. » Gleichzeitig äussert sie auch einen Wunsch: «Vielleicht ändert sich ja auch noch das Setup an Turnieren, zum Beispiel mit Kinderbetreuung in den Hallen oder Support bei der Anreise. Es gäbe hier sicher noch einige Schrauben, an denen man drehen könnte.»
Bei den meisten Cracks beginnt schon bald die Vorbereitung auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Los Angeles. So weit denkt Isabel Lohau noch nicht: «Ich muss zuerst auch einmal sehen, was es mit mir emotional macht, wenn ich zwei, drei Wochen am Stück von zuhause weg bin, und was es mit dem Kind macht.-Ausschliessen will ich aber nicht, dass ich es noch einmal versuche.»
Vorerst geht es aber um die Woche in Basel. Lohau spielt mit der Niederländerin Debora Jille zusammen, weil ihre Standardpartnerin Stine Küspert noch verletzt ist. Und die Zufallspartnerschaft, die von der Reserveliste nachgerückt war, hat am Dienstag das Hauptfeld erreicht. Und hat vor allem ein Ziel, wie Lohau sagt: «Wir wollen hier so lange wie möglich gutes Badminton zeigen.»
Marco Keller
Die Fotos sind von der YSO 2022 und 2023